Mormonismus und die Natur Gottes/Theosis

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Ist die Lehre der Vergöttlichung des Menschen unbiblisch, falsch und arrogant??


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Kritik

Kritiker behaupten, die Lehre von der Vergöttlichung des Menschen sei unbiblisch, falsch und arrogant.

Verwandte Behauptungen umfassen:

  • Mormonen glaubten, sie würden 'Gott verdrängen'
  • Der Glaube an eine 'Theosis' oder Gottwerdung des Menschen beinhalte die Lehre, dass es mehr als einen Gott gebe, was bedeute, die Mormonen seien „Polytheisten”.

Quellen der Kritik

  • Ed Decker, The Godmakers
  • Ed Decker, The Godmakers II
  • Walter Martin, Kingdom of the Cults (Minneapolis: Bethany House Publishers, 1997), 226 and elsewhere.
  • Weitere Quellen der Kritik

Erwiderung

Die Kirche sagte zu dieser Lehre:

Wir glauben, dass der biblische Beleg vom Apostel Petrus. am der göttlichen Natur teilzuhaben, und der Beleg von Paulus. mit den Erben Christi vereinigt zu werden, die Absicht reflektiert, dass Kinder Gottes bestrebt sein sollten, ihrem Himmlischen Vater in allem nachzueifern. Mormonen glauben, dass sie durch alle Ewigkeiten hindurch Gott den Vater und Jesus Christus verehren und anbeten werden. Das Ziel ist nicht, ihnen gleich zu sein, oder mit ihnen Gleichheit zu erreichen, sondern ihre perfekte Göttlichkeit nachzuahmen und zu erlangen, sowie Liebe ans andere göttliche Attribute.[1]

Gott verdrängen?

Wenn wir diesen Grundsatz studieren, muss uns zuallererst klar sein, dass

der Vater der einzig wahre Gott ist. Das ist sicher: Niemand wird jemals über ihn aufsteigen, niemand wird ihn je ersetzen. Auch wird nichts die Beziehung, die wir, seine buchstäblichen Nachkommen, zu ihm haben, jemals ändern. Er ist Elohim, der Vater. Er ist Gott. Von seiner Art ist nur einer. Wir verehren unseren Vater und unseren Gott, wir beten ihn an.[2]

Ein Glaube an menschliche Gottwerdung bedeutet nicht, dass die HLT glauben, ihre Anbetung könnte angemessen auf irgend jemand anderen gerichtet sein als Gott den Vater und seinen Sohn, Jesus Christus.

Der Nicht-HLT Kirchenhistoriker Ernst Benz bestand darauf, dass die Lehre von der Gottwerdung in der frühen Kirche vorhanden war und zeigt ein potentielles Risiko für jene auf, die sie nicht verstehen:

Nun könnte dieser Gedanke der Gottwerdung zu einem Missverständnis führen, nämlich dass er zu einer gotteslästerlichen Selbsterhöhung des Menschen führe. Wenn das der Fall wäre, dann wäre Mystik die erhabenste und vergeistigste Form des Egoismus. Doch das Konzept von imago dei im christlichen Verständnis des Ausdrucks hat eben gerade nicht das Ziel, im Menschen das Bewusstsein seiner eigenen Göttlichkeit zu erwecken, sondern strebt danach, dass er das Bild Gottes in seinem Nächsten sieht. Hier sind die machtvollen Worte Jesu in Matthäus 25:21-26 angemessen und werden durch die Kirchenväter mit imago dei verbunden....
Also: Die Idee des imago dei führt nicht in Richtung Selbsterhöhung, sondern vielmehr in Richtung Nächstenliebe als die wahre und tatsächliche Form der Liebe Gottes, aus dem einfachen Grund, dass im Nächsten das Bild Gottes zu finden ist. Der Herr selbst steht uns gegenüber. Die Liebe zu Gott sollte in der Liebe dem Gegenüber, der Gott selbst widerspiegelt, erfüllt werden. So ist in letzter Konsequenz der Gedanke des imago dei der Schlüssel zum grundlegenden Gesetz des Evangeliums: „Du sollst Gott lieben... und deinen Nächsten wie dich selbst” (Lukas 10:27), da man seinen Nächsten im Hinblick darauf betrachten soll, dass Gott sein Bild in ihn gelegt hat und im Hinblick auf die Verheißung, die er über ihn gemacht hat.[3]

Unchristlich?

Kritiker bestehen darauf, dass die Lehre der Theosis unbiblisch und unchristlich sei. Pech für die Kritiker, dass ein Überblick über die Geschichte des Christentums zeigt, dass diese Lehre ein allgemeiner Glaube vieler Christen war und ist. Heutige Kritiker sind vielleicht eher die Ausnahme als die Regel.

Irenäus

Der heilige Irenäus (180 n. Chr.), der mit Recht der erste biblische Theologe unter den alten Christen genannt werden kann, war ein Jünger des großen Polykarp, der ein direkter Jünger von Johannes dem Offenbarer war.[4] Irenäus gilt in traditionellen christlichen Kreisen weder als Häretiker noch als unorthodox, doch er glaubt auch an Theosis:

Der Mensch schreitet allmählich vorwärts und erhebt sich zu Vollkommenheit. Das heißt, er nähert sich dem Ewigen. Das Ewige ist vollkommen, und das ist Gott. Der Mensch muss zuerst ins Dasein treten, dann Fortschritt machen, und durch den Fortschritt erreicht er Menschlichkeit, hat er die Menschlichkeit erreicht, so muss er zunehmen und zunehmend ausharren und ausharrend verherrlicht werden und so seinen Herrn sehen.[5]

So wie die HLT glaubte Irenäus nicht, dass dieser Glaubensgrundsatz in irgend einer Weise Gott, Christus oder den Heiligen Geist ersetzen würde:

Es gibt keinen anderen, der durch die Schrift Gott genannt wird als nur der Vater von allem und der Sohn und jene die die Annahme besitzen... Daher ist dies sicher und fest, dass kein anderer Gott oder Herr durch den Geist verkündet wurde als nur er, der als Gott über alles herrscht, zusammen mit seinem Wort und jenen, die den Geist der Annahme erhalten.[6]

Irenäus, von dem es absurd wäre, ihn aus den Reihen des orthodoxen Christentums auszuschließen, glaubte in solcher Weise an Theosis, die mit dem Denken der HLT über diese Angelegenheit übereinstimmt:

Wir waren an unserem Anfang nicht zu Göttern gemacht, sondern zuerst wurden wir zu Menschen gemacht, dann, am Ende, zu Göttern.[7]

Auch:

Wie wird denn jemand ein Gott sein, wenn er nicht zuerst zum Menschen gemacht wurde? Wie kann jemand vollkommen sein, wenn er erst vor kurzem zum Menschen gemacht wurde? Wie unsterblich, wenn er nicht in seiner sterblichen Natur seinem Macher gehorchte? Denn jemandes Pflicht ist zuerst die Disziplin des Menschen zu befolgen und danach an der Herrlichkeit Gottes teilzuhaben.[8]

Und:

Unser Herr Jesus Christus, das Wort Gottes in seiner grenzenlosen Liebe, wurde was wir sind, damit er uns zu dem machen kann, was er selbst ist.[9]

Und:

Doch von welchen Göttern [spricht er]? Zu denen er sagt, „Ich habe gesagt, ihr seid Götter, und alle Söhne des Allerhöchsten.” Zu jenen, die ohne Zweifel die Gnade der „Adoption erhalten haben, durch die wir rufen Abba, Vater.”[10]

Und Irenäus betrachtet die Lehre ganz klar als biblisch, genauso, wie es die HLT tun:

Denn derjenige, der ohne Stolz und Prahlen die wahre Herrlichkeit (Meinung) hat bezüglich geschaffener Dinge und des Schöpfers, der der allmächtige Gott von allem ist und allem das Dasein verliehen hat, ein solcher der in seiner Liebe, Unterwerfung und Danksagung fortfährt, soll von ihm die größere Herrlichkeit der Erhöhung empfangen und sich freuen auf die Zeit, wann er wie er wird, der für ihn starb. Denn auch Er war „im Gleichnis des sündigen Fleisches gemacht”, die Sünde zu verdammen, und sie, als eine nun verdammte Sache, von sich zu werfen über das Fleisch hinaus, sodass Er den Menschen herausruft in sein eigenes Ebenbild, Ihn als Nachahmer Gottes beauftragt und Ihm das Gesetz des Vaters auferlegt, damit Er Gott sehen möge und Ihm die Macht verleihe, den Vater zu empfangen. Er, der das Wort Gottes ist, das im Menschen wohnte und der Menschensohn wurde, dass Er den Menschen daran gewöhne, Gott zu empfangen und Gott, dass Er im Menschen wohne, so wie es dem Wunsch des Vaters entspricht.[11]

Ein protestantischer Theologe sagte von Irenäus:

Teilhabe an Gott wurde von Irenäus so weit getrieben, dass sie in Gottwerdung mündete.'Wir waren am Anfang nicht zu Göttern gemacht', sagt er, 'sondern zuerst Menschen und dann, schließlich zu Göttern.' Das darf nicht als reine rhetorische Übertreibung von Seiten Irenäus' verstanden werden. Er wollte diese Aussage wörtlich verstanden wissen.[12]

Clemens von Alexandria

Clemens (150 - 215 n. Chr.), ein früher christlicher Führer in Alexandria, lehrte ebenfalls die Lehre von der Gottwerdung:

Ja, ich sage, das Wort Gottes wurde ein Mensch, sodass du von einem Menschen lernen kannst, wie man ein Gott wird.[13]

Und:

...wenn man sich selbst kennt, wird man Gott kennen, und Gott zu kennen, bedeutet wie Gott zu werden....Sein ist Schönheit, wahre Schönheit, denn es ist Gott, und dass der Mensch Gott wird, da Gott es will.[14]
Jenen, die vervollkommnet sind, wird ihr Lohn und ihre Ehren gegeben. Sie sind fertig mit ihrer Reinigung, sie sind fertig mit dem Rest ihres Dienstes, wenn es auch ein heiliger Dienst ist mit dem Heiligen. Nun werden sie rein im Herzen, und wegen ihrer engen Beziehung mit dem Herrn wartet auf sie eine Wiederherstellung zu ewiger Einkehr. Und sie haben den Titel von „Göttern” erhalten, da sie dazu bestimmt sind, mit den anderen „Göttern”, die im Rang gleich unter dem Erlöser kommen, auf dem Thron zu sitzen.[15]

Justin der Märtyrer

Justin der Märtyrer sagte 150 n.Chr, er wünsche

dir zu beweisen, dass der Heilige Geist die Menschen tadelt, weil sie wie Gott gemacht sind, frei von Leiden und von Tod, vorausgesetzt, sie halten seine Gebote und werden würdig erachtet, den Namen seine Söhne zu tragen....am Anfang waren die Menschen gemacht wie Gott, frei von Leid und Tod, und daher wurden sie würdig erachtet Götter zu werden und Macht zu haben, die Söhne des Höchsten zu werden...[16]

Athanasius

347 sagte Athanasius, Bischof von Alexandria und Teilnehmer am Konzil von Nicäa:

Das Wort wurde zum Fleisch gemacht, damit wir befähigt werden mögen, zu Göttern gemacht zu werden...genau so wie der Herr, indem er den Leib annahm, ein Mensch wurde, so sind auch wir Menschen sowohl verachtet durch das Fleisch, als auch erben wir hernach immerwährendes Leben...[wir sind] Söhne und Götter auf Grund des Wortes in uns.[17]

Er stellt auch fest, dass Christus „ein Mensch wurde, damit wir göttlich gemacht werden können”.[18]

Augustinus

Augustinus (354-430 n.Chr.), der als einer der größten Kirchenväter betrachtet wird, sagte:

aber der, der rechtfertigt, setzt sich darüber hinweg, denn durch Rechtfertigung macht er Söhne Gottes. Denn er er hat ihnen die Macht gegeben, Söhne Gottes zu werden (siehe Johannes 1:12). Wenn wir also zu Söhnen Gottes gemacht wurden, dann wurden wir auch zu Göttern gemacht.[19]

Hieronymus

Hieronymus (340-420 n.Chr.) beschrieb ebenfalls die Vergöttlichung von Gläubigen als einen Akt der Gnade, was mit dem Verständnis der HLT genau übereinstimmt:

Ich sagte: 'Ihr seid Götter, all ihr Söhne des Allerhöchsten.' Lasst das Eunonimus hören, lass das Arius hören, der sagte, dass der Sohn Gottes sei in derselben Weise wie wir es sind. Dass wir Götter sind, ist nicht von Natur aus so, sonder durch Gnade. Aber alle, die ihn empfangen, gab er die Macht, Söhne Gottes zu werden. Ich machte den Menschen zu diesem Zweck, dass sie von Menschen zu Göttern werden. Wir werden Götter und Söhne genannt!...[Christus sagte] 'All ihr Söhne des Allerhöchsten'. Es ist nicht möglich der Sohn des Allerhöchsten zu sein, wenn man nicht selbst der Allerhöchste ist. Ich sagte, ihr alle werdet erhöht werden, so wie ich erhöht bin.[20]

Weiterhin sagt Hieronymus, wir sollten

dem Gott der Götter Dank sagen. Der Prophet bezieht sich auf jene Götter, von denen geschrieben steht: Ich sagte 'ihr seid Götter' und nochmals 'Gott stehet auf in der göttlichen Vesammlung' jene die aufhören, nur Menschen zu sein, verlassen die Wege des Lasters und sind vollkommen geworden, sie sind Götter und die Söhne des Allerhöchsten...[21]

Moderne christliche Exegese

Das Westminister Dictionary of Christian Theology beschreibt „Vergöttlichung” so:

Vergöttlichung (griechisch: Theosis)ist für die Orthodoxie das Ziel jedes Christen. Der Mensch ist, nach der Bibel 'im Bild und in der Gestalt Gottes gemacht'....es ist für den Menschen möglich, wie Gott zu werden, vergöttlicht zu werden, durch Gnade Gott zu werden. Diese Lehre beruht auf vielen Passagen sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments (siehe Psalm 82), 81.6; 2. Petrus 1:4, und ist im wesentlichen sowohl die Lehre des Heiligen Paulus, obwohl er dazu neigt, die Sprache der Annahme an Sohnesstatt zu verwenden (siehe Römer 8:9-17), Galater 4:5-7) als auch des vierten Evangeliums (siehe Johannes 17:21-23).[22]

Joseph Fitzmeyer schrieb:

Die Sprache aus 2. Petrus wird vom heiligen Irenäus in seinem berühmten Satz: 'Wenn das Wort zum Menschen gemacht wurde, so, damit die Menschen zu Göttern gemacht werden', aufgenommen (adv. Haer v, pref.) und wird zum Maßstab in der griechischen Theologie. Im 4. Jahrhundert wiederholt Athanaius Irenäus fast wörtlich und im 5. Jahrhundert sagt der heilige Cyrl von Alexandria, das wir 'durch Teilnahme (greichisch metexis) Söhne werden sollen. Vergöttlichung ist der zentrale Gedanke in der Spiritualität des heiligen Maximus des Bekenners, für den die Lehre eine logische Folge der Inkarnation ist: 'Vergöttlichung ist, kurz gesagt, die umfassende Erfüllung aller Zeiten und Zeitalter'. und der heilige Symeon, der neue Theologe am Ende des 10. Jahrhunderts schreibt 'er, der Gott ist spricht mit denen, die er durch Gnade zu Göttern gemacht hat, so wie ein Freund mit einem Freund spricht, von Angesicht zu Angesicht....'
Schließlich ist zu bemerken, dass Vergöttlichung nicht das Aufgehen in Gott bedeutet, da das vergöttlichte Wesen selbst und unterscheidbar bleibt. Es ist das ganze menschliche Wesen, Körper und Geist, der im Geist verwandelt wird in das Ebenbild der göttlichen Natur und Vergöttlichung ist das Ziel jedes Christen.[23]

Nach dem christlichen Gelehrten G.L. Prestige, lehrten die alten Christen, dass es die Bestimmung des Menschen sei, wie Gott zu werden, und sogar vergöttlicht zu werden.[24]

William R. Inge, Erzbischof von Canterbury, schrieb:

„Gott wurde Mensch, damit wir Gott werden können, war ein Gemeinplatz in den Lehren der Theologie. Mindestens bis zur Zeit des Augustinus und wo Vergöttlichung weiten Raum in den Schriften der Kirchenväter einnimmt... Wie finden sie wowohl bei Clemens wie bei Athanasius oder bei Gregor von Nazianz. Augustinus fürchtete sich vor deificari auf Lateinisch nicht mehr als Origenes vor Apotheosis in Griechisch...Für heutige Ohren klingt das Wort Vergöttlichung nicht nur seltsam, sondern arrogant und schockierend.”[25]

Doch diese arroganten und schockierenden Lehren wurden ganz klar von frühen Christen vertreten! In dieser Sichtweise frühchristlicher Lehren stehen die Heiligen der Letzten Tage nicht alleine. Viele heutige christliche Autoren haben dieselben Lehren anerkannt. Wenn die Kritiker diese alten Lehren nicht annehmen wollen, so haben sie dazu das Recht, doch können sie nach den Gesetzen der Logik nicht behaupten, diese Lehren seien nicht christlich. Man könnte fairerweise fragen, warum heutige Christen, das, was den alten Christen wichtig war, nicht glauben.

Sichtweise in der heutigen orthodoxen Kirche

Zum Thema Theosis schreibt Erzbischof Serafim, Metropolit der rumänisch orthodoxen Kirche in Deutschland:

Der Gedanke der Theosis als Heil des Menschen wird in der Heiligen Schrift vielfach mit anderen Worten bezeichnet: Paulus umschreibt die gemeinte Wirklichkeit mit Ausdrücken wie „Kinder und Erben Gottes” (Römer 8,14), „Leben Christi im Menschen” (Galater 4:19), „erfüllt werden mit der Fülle Gottes” (Epheser 3.17) und mit dem Hinweis Epheser 2:6, dass „wir mit Christus in den Himmel gehoben sind.” Petrus fasst das zusammen in den Satz 2. Petrus 1:4: „auf dass ihr an der göttlichen Natur Anteil erlangt.”
Mit diesen biblischen Aussagen fand auch die Frage der antiken griechischen Philosophie nach der Angleichung der Menschen an die Götter eine gültige Antwort. Ohne Zweifel ist für die antike Philosophie die menschliche Seele mit dem Göttlichen verwandt, das mit Geist und Vernunft identifiziert wird. Der christliche Glaube vertieft diese Sicht: Geist und Vernunft sind nicht selbst göttlich, sie müssen „vergöttlicht”, „geheiligt” werden. Die Heiligung entfremdet nicht von der Welt, sondern führt um so tiefer in sie hinein, weil Gott selbst in Demut das Fleisch der Geschichte angenommen hat.
Im Weihnachtshymnus der byzantinischen Liturgie heißt es: „Vollkommen unsere Armut teilend hast du unsere irdische Natur vergöttlicht durch dein Eingehen in sie und Teilnehmen an ihr.” „Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werde” - so lehren es die Kirchenväter seit Irenäus von Lyon († 202).[26]

Laut diesen Texten vertritt die orthodoxe Glaubensrichtung die Theosis nicht mit der Konsequenz, wie sie unter HLT gelehrt wird.

Unbiblisch?

Der vorhergehende Abschnitt zeigt, dass Theosis von vielen Christen im Laufe der Jahrhundert gelehrt wurde. Sie zogen diese Lehren aus der Bibel selbst.

Matthew Brown verglich ein paar Beschreibungen von Gott und Mensch im Folgenden:

Aspekt Jesus Christus Die Heiligen
Krone Offenbarung 14:14 Jakobus 1:12, Offenbarung 2:10, Offenbarung 4:4,10
Weißes Gewand Matthäus 17:2, Markus 9:3, Lukas 9:23 Offenbarung 6:12, Offenbarung 7:9-14
Zepter Herbäer 1:8 Offenbarung 2:26-27
Thron Offenbarung 3:21 Offenbarung 3:21
Erbe Gottes Römer 8:17 Römer 8:14-21, Galater 4:1-7
Titel „Sohn” Hebräer 1:5, Hebräer 5:5, Johannes 3:1, Philipper 2:15, 2. Petrus 1:4 1. Johannes 3:1-2, Römer 8:14, Johannes 1:12, Galater 3:26
König und Priester Johannes 1:49, Hebräer 3:1 Offenbarung 1:6,

Offenbarung 5:10

Vollkommen Matthäus 5:48 Matthäus 5:48
Eins mit Gott Johannes 4:11, Johannes 17:20-21, Johannes 10:30 Johannes 17:21-23

Schriftstellen

Theosis wird in den folgenden Schriftstellen besprochen:

Zusammenfassung


Im Hinblick auf die mormonische Lehre bemerkte der nicht-HLT-Gelehrte Ernst W. Benz:

Man kann von der Lehre der fortschreitenden Vergöttlichung denken was man will, aber etwas ist gewiss: Mit dieser Anthropologie liegt Joseph Smith näher an der Sicht des Menschen, wie sie die alte Kirche hatte, als die Vorläufer der augustinischen Lehre von der Erbsünde.[27]

Fußnoten

  1. [back]  Boyd K. Packer, "The Pattern of Our Parentage," Ensign (November 1984): 69. Link
  2. [back] Ernst W. Benz, Imago Dei, der Mensch im Bilde Gottes Anmerkung: Benz missversteht einige Aspekte der HLT-Lehre, doch seine Darstellung der Bedeutung von Theosis für die Christenheit im allgemeinen und ihre Einführung durch Joseph Smith trifft die Sache.
  3. [back]  Henry Bettenson, The Early Christian Fathers: A Selection from the Writings of the Fathers from St. Clement of Rome to St. Athanasius [Die frühen Kirchenväter: Eine Auswahl aus ihren Schriften von Clemens von Rom bis Athanasius (London: Oxford University Press, 1956), 16–17. ISBN 0192830090.
  4. [back]  Henry Bettenson, The Early Christian Fathers: A Selection from the Writings of the Fathers from St. Clement of Rome to St. Athanasius [Die frühen Kirchenväter: Eine Auswahl aus ihren Schriften von Clemens von Rom bis Athanasius (London: Oxford University Press, 1956), 94. ISBN 0192830090.
  5. [back]  Irenäus, Gegen die Häresien, Band 1 S. 463
  6. [back]  Henry Bettenson, The Early Christian Fathers: A Selection from the Writings of the Fathers from St. Clement of Rome to St. Athanasius [Die frühen Kirchenväter: Eine Auswahl aus ihren Schriften von Clemens von Rom bis Athanasius (London: Oxford University Press, 1956), 94. ISBN 0192830090.
  7. [back]  Henry Bettenson, The Early Christian Fathers: A Selection from the Writings of the Fathers from St. Clement of Rome to St. Athanasius [Die frühen Kirchenväter: Eine Auswahl aus ihren Schriften von Clemens von Rom bis Athanasius (London: Oxford University Press, 1956), 95-96. ISBN 0192830090.
  8. [back]  Henry Bettenson, The Early Christian Fathers: A Selection from the Writings of the Fathers from St. Clement of Rome to St. Athanasius [Die frühen Kirchenväter: Eine Auswahl aus ihren Schriften von Clemens von Rom bis Athanasius (London: Oxford University Press, 1956), 95-96. ISBN 0192830090, Zitiert Irenäus, Gegen die Häresien 4.38 cp.
  9. [back]  Irenäus, Gegen die Häresien, Band 1, Kap. 6, S. 419
  10. [back]  Irenäus, Gegen die Häresien, Band 1, Kap. 6, S. 450
  11. [back]  Arthur C. McGiffert, A History of Christian Thought, Vol. 1—Early and Eastern: From Jesus to John of Damascus (New York: Scribner's Sons, 1932), 141. [Eine Geschichte christlichen Denkens, Band 1, Frühzeit und Osten: Von Jesus bis Johannes von Damaskus]
  12. [back]  Clemens von Alexandria, Mahnung an die Griechen, 1.
  13. [back]  Clemens von Alexandria, Clement of Alexandria, Der Lehrer, 3.1 siehe auch Clemens, Stromateis, 23.
  14. [back]  Henry Bettenson, The Early Christian Fathers: A Selection from the Writings of the Fathers from St. Clement of Rome to St. Athanasius [Die frühen Kirchenväter: Eine Auswahl aus ihren Schriften von Clemens von Rom bis Athanasius (London: Oxford University Press, 1956), 95-96. ISBN 0192830090; Stromata 7:10 (55–56).
  15. [back]  Origen, Commentary on John, Book II, Chapter 2.
  16. [back]  Origen in Bettensen, Henry. The Early Christian Fathers, 324.
  17. [back]  Origin, De Principiis, 4:1:36 in Ante-Nicene Fathers 4:381.
  18. [back]  Justin der Märtyrer, Dialog mit Trypho, 124.
  19. [back]  Hippolytus, Refutation of All Heresies 10:29-30, in Ante-Nicene Fathers 5:152.
  20. [back]  Athanasius, Gegen die Arianer, 1.39, 3.39.
  21. [back]  Athanasius, Über die Inkarnation, 54.
  22. [back]  Augustinus, Über die Psalmen, 50:2.
  23. [back]  Hieronymus, Die Homilien des Heiligen Hieronymus, 106–107.
  24. [back]  Hieronymus, Die Homilien des Heiligen Hieronymus, 106–353.
  25. [back] Alan Richardson (Herausgeber), The Westminster Dictionary of Christian Theology (Westminster: John Knox Press, 1983). ISBN 0664213987. (Hervorhebung hinzugefügt).
  26. [back]  Joseph A. Fitzmyer, Pauline Theology: a brief sketch (Prentice-Hall, 1967), 42. AISN B0006BQTCQ. [Paulinische Theologie, eine kurze Skizze]
  27. [back]  G.L. Prestige, God in Patristic Thought (London Press, 1956), 73. [Gott im Denken der Kirchenväter]
  28. [back]  William Ralph Inge, Christian Mysticism (London, Metheun & Co., 1948[1899]), 13, 356. [Christliche Mystik]
  29. [back] Siehe „Heil - Heiligung - Heiligkeit” von Metropolit Serafim Joanta, Feuilleton der Welt, 15. Januar 2000 zitiert auf der ostkirchlichen Website]
  30. [back]  Ernst W. Benz, Imago Dei, der Mensch im Bilde Gottes.


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