Tempel/Endowment/Racheeid

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Eine frühere Version des Tempelendowments enthielt einen „Racheeid”


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Kritik

Kritiker behaupten, eine frühere Version der Tempelbegabung habe einen Eid enthalten, den die Teilnehmer leisteten, dass sie an der Regierung oder den Bürgern der Vereinigten Staaten Rache üben würden.

Erwiderung

In fast jeder antimormonischen Behandlung des Tempels bringen die Kritiker das Thema des „Racheeides” auf, der während des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts bestand. Diese Kritiker stellen die Natur dieses Eides oft falsch dar und versuchen sein Vorhandensein in der frühen Tempelbegabung als Beweis dafür zu benutzen, dass die HLT Tempelzeremonien ungöttlich, gewalttätig und unmoralisch wären.

Die Führer der Kirche haben von Zeit zu Zeit die Begabung verändert. Vor den Änderungen von 1927 gab es einen Eid, in dem um die Rache des Herrn gebetet wurde, die jene treffen sollte, die die Propheten ermordeten. In ihren beschwörten Zeugenaussagen und Tempelenthüllungen gaben Abgefallene widersprechende Berichte darüber, wer nun rächen sollte: Der Herr oder die Heiligen selbst. [1] Wenn man die mormonische Geschichte nach Lehren über Rache durchforscht, erhält man zusätzliche Einsicht und das hilft abzuschätzen, welche Möglichkeit wahrscheinlicher ist.

Der Konflikt in Missouri

1833 wurden die Mormonen aus Jackson County, Missouri vertrieben, teilweise wegen ihrer Haltung gegen die Sklaverei, die sich von der Haltung der alteingesessenen Siedler unterschied. Durch Offenbarung wurden die Heiligen angewiesen, eine Petition um Schadensersatz für die erlittenen Gewalttaten von der Regierung einzureichen. Von den Heiligen wurde erwartet, pazifistisch zu sein, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt (Siehe LuB 98:23-31):

Nun spreche ich zu euch in bezug auf eure Familien: Wenn die Menschen euch oder eure Familie einmal schlagen und ihr es geduldig tragt und sie nicht schmäht, auch nicht nach Rache trachtet, so werdet ihr belohnt werden; tragt ihr es aber nicht geduldig, dann wird es euch so angerechnet werden, als sei es euch mit einem rechten Maß zugemessen worden. Und weiter: Wenn euer Feind euch zum zweitenmal schlägt und ihr euren Feind nicht schmäht und es geduldig tragt, so wird euer Lohn hundertfach sein.
Und weiter: Wenn er euch zum drittenmal schlägt und ihr es geduldig tragt, so wird euer Lohn euch vierfach verdoppelt werden; und diese drei Zeugnisse werden gegen euren Feind stehen, wenn er nicht umkehrt, und werden nicht ausgelöscht werden. Und nun, wahrlich, ich sage euch: Wenn jener Feind meiner Vergeltung entrinnen soll, so daß er nicht vor mich zum Gericht gebracht werde, so müßt ihr zusehen, daß ihr ihn in meinem Namen davor warnt, noch jemals über euch zu kommen, auch nicht über eure Familie, selbst eure Kindeskinder bis zur dritten und vierten Generation. Und wenn er dann über euch oder eure Kinder oder eure Kindeskinder bis zur dritten und vierten Generation kommt, habe ich deinen Feind in deine Hände gegeben; und wenn du ihn dann noch verschonst, wirst du für deine Rechtschaffenheit belohnt werden, ebenso deine Kinder und deine Kindeskinder bis zur dritten und vierten Generation. Doch ist dein Feind in deinen Händen, und wenn du ihm gemäß seinen Werken vergiltst, bist du gerechtfertigt; wenn er dir nach dem Leben getrachtet hat und dein Leben durch ihn gefährdet ist, so ist dein Feind in deinen Händen, und du bist gerechtfertigt.

Der Einsatz von Gewalt wurde nur im Falle der Selbstverteidigung gebilligt oder nachdem der Herr einen vorher gewarnten Feind den Heiligen in die Hände gegeben hatte. Sogar zu Barmherzigkeit dem Feind gegenüber wurde ermutigt und es gibt Hinweise darauf, dass der Herr seine Schlachten selbst schlagen kann, (Vers 37) um seine Rache an den Bösen auszuführen. Man beachte auch die wiederholte Bezugnahme auf dritte und vierte Generationen von Kindern, die wegen der rhetorischen Wirkung eingefügt wurden, trotz der Unmöglichkeit, dass ein einziger Feind über eine so lange Zeitdauer eine Bedrohung darstellt.

Der frühest bekannte Racheeid in einem mormonischen Tempel scheint spontan von Joseph Smith bei der Weihung des Kirtland Tempels am 30. März 1830 eingeführt worden zu sein [2]:

Den Siebzigern steht es frei, nach Zion zu gehen, wenn sie möchten oder wo auch immer sie hin wollen und das Evangelium zu predigen und die Errettung Zions soll unsere Absicht sein und wir trachten danach sie zu beeinflussen, indem wir die ganze Kraft des Hauses des Herrn hinaufschicken, wo auch immer wir sie finden und ich möchte in den folgenden Bund eintreten, dass wenn noch weitere unserer Brüder durch den Pöbel erschlagen oder von ihrem Land in Missouri vertrieben werden, werden wir nicht rasten oder ruhen bis wir bis zum äußersten an unseren Feinden gerächt sind. Dieses Bündnis wurde einstimmig durch Hosianna und Amen gesiegelt.

Die Mormonen setzten militärische Mittel ein, um sich in Missouri zu verteidigen, doch schließlich wurden sie vertrieben, nachdem gegen sie durch Gouverneur Boggs ein Ausrottungsbefehl ausgestellt worden war. Weitere Eingaben um Entschädigung in Missouri wurden abgelehnt. Martin van Buren bemerkte: „Ihre Sache ist gerecht, aber ich kann nichts für Sie tun.” Feinde in Missouri, einschließlich der nächste Gouverneur verschworen sich, um Joseph in Illinois zu kidnappen und ihn nach Missouri zu bringen, wo er mit erdichteten Anklagen konfrontiert werden sollte.

Entwicklungen in Nauvoo

Vielleicht in der Vorahnung seines Todes traf sich Joseph vor der Vollendung des Nauvoo Tempels oft mit Aposteln und anderen engen Mitarbeitern, um die Tempelbegabung wiederherzustellen. Wilford Woodruff ordnete später die Tempelbelehrung um die biblische Rache des Herrn für das Blut der Propheten zu beten, folgendermaßen ein [3]:

Ich habe bereits gesagt, dass es nichts [Feindseliges gegenüber der Regierung in der mormonischen Begabung] Derartiges in irgend einem Teil oder einer Phase des Mormonismus gibt. Ich sollte darüber Bescheid wissen, da ich eines der ältesten Mitglieder der Kirche bin. Viel wird aus einer Form eines Gebets gemacht, das auf zwei Versen im sechsten Kapitel der Offenbarung des Johannes, wie sie im Neuen Testament stehen, beruht. Es bezieht sich darauf zu beten, dass Gott das Blut der Propheten rächen möge. Wie ich sehe, wurde der Versuch gemacht, dies mit einer Rache für den Tod von Joseph und Hyrum Smith in Verbindung zu bringen und dass es sich auf diese Nation beziehe. Das kann nicht eine solche Anwendung haben, da die Begabung lange vor dem Tod von Joseph und Hyrum gegeben wurde und nicht verändert wurde. Diese Nation und die Regierung ist vom mormonischen Volk nie wegen der Ermordung von Joseph und Hyrum Smith beschuldigt worden. Es ist wohl bekannt, dass der Mord die Tat örtlichen Pöbels in Verkleidung war.

Spätere Generationen von Heiligen der Letzten Tage, die Gewalttätigkeiten eines Pöbels, Entführungsversuche und Todesdrohungen nicht erlebt haben, sind vielleicht überrascht oder unangenehm berührt von den Gefühlen vieler früherer Heiliger, die für Gerechtigkeit beteten, statt für ihre Feinde zu beten. Doch wir leben in freundlicheren, sanfteren Zeiten. Die Mormonen des 19. Jahrhunderts, besonders jene die aus Nauvoo kamen, sahen immer die Hand Gottes am Werk, wenn ihren Verfolgern Unglück zustieß, ein Gefühl das in den meisten machtlosen, verfolgten Minderheitsgruppen vorherrscht.

Nach dem Tod von Joseph Smith trafen sich seine engsten Freunde weiterhin. [4] Diese Gruppe traf sich, um Offenbarung zu prüfen („versucht alle Dinge”), für die Heilung von kranken Mitgliedern zu beten, um den Erfolg von Kirchenprojekten zu beten und um die Befreiung von ihren Feinden zu beten. Heber C. Kimball erinnerte sich, dass sich nach dem Tod Josephs der Gebetskreis traf und um Gottes Rache betete. [5]

Die Aktionen von Willard Richards unmittelbar nach dem Märtyrertod zusammenfassend, schrieb Historikerin Claire Noall:

Es ist wahr, in diese Rede [1850] verurteilte Richards die tatsächlichen Mörder. Als er aber die Kirche über den Tod von Joseph Smith im Gefängnis von Carthage informierte, schrieb er nach Nauvoo, dass die Bevölkerung von Carthage erwartete, dass die Mormonen aufstehen würden, doch er hatte „versprochen, dass nicht.” Am nächsten Tag erinnerte er sein Volk von den Stufen von Josephs Haus, dass er sein Wort und seine Ehre verpfändet hatte für ihr friedliches Verhalten. Und als er die Nachricht von Smiths Tod an Brigham Young, damals in der Nähe von Boston, schrieb, schrieb Willard Richards, dass das Blut der Märtyrer nicht von der Erde nach Rache rufe, Rache sei die Sache des Herrn. [6]

Tempelarbeit allgemein und im besonderen Gebete, dass Gott, und nicht die mormonischen Mitglieder, Joseph Smith rächen werde, war die Rettung der Kirche in Nauvoo. Statt dem leidenschaftlichen Wunsch nach Rache durch Einsatz der Nauvoo Legion in ihrer eindrucksvollen Größe nachzugeben, gelang es den Brüdern, die Mitglieder dazu zu bringen, ihre Frustration und ihren Zorn in Anrufungen des Herrn um Gerechtigkeit zu lenken. Ihre Energie wurde auf die Dinge des Himmels konzentriert durch den Bau des Tempels und durch den Dienst darin. Das Gebet im Tempel wurde zu einem Weg, ritualisiert an den Märtyrertod Josephs zu erinnern.

Konflikt in Utah

Nach dem Exodus nach Utah wurden die Verordnungen, die normalerweise für den Tempel reserviert waren, im Endowmenthaus vollzogen, während der Tempel erbaut wurde. In einer späten Erinnerung beschrieb David H. Cannon die Anweisung im Endowmenthaus bezüglich der Rache:

Es wurde gebetet, der Vater möge das Blut der Propheten und der rechtschaffenen Männer rächen, das vergossen wurde usw. Im Endowmenthaus wurde das so gemacht, doch weil die Leute dort nur einmal hingingen, hinterließ es keinen so starken Eindruck in ihrem Denken, doch beim Einsetzen der Endowments für die Toten wurde es getan wie im 9. Kapitel der Offenbarungen beschrieben ist, und in dieser Sprache bedrängen wir den Vater nicht das wir sondern dass ER, unser Vater, das Blut der Märtyrer rächte, das vergossen wurde zum Zeugnis für Jesus.[7]

Obwohl die religiöse Spannung darin bestand, Gott die tatsächliche Rache durchführen zu lassen, meinten Einzelne berufen zu sein, eine aktivere Rolle spielen zu sollen. Dieses Phänomen erreichte einen Tiefpunkt nach rhetorischen Übertreibungen der mmormonischen Reformation [8] und der Hysterie der Kriegszeit, verursacht durch Präsident James Buchanan, als er Tuppen gegen Utah aussendete. Viele Kirchenführer pedigten von der Kanzel, dass die Vereinigten Staaten als Nation dafür verantwortlich sind, die Pöbelherrschaft außer Kontrolle geraten haben zu lassen. Als die Spannungen sich zuspitzten, tauchte in einigen patriarchalischen Segen in einer apokalyptischen Sprache Rachemotive auf. Die Heiligen waren darauf vorbereitet in einem gerechten Krieg zu kämpfen.

Während der Utahkrieg ein nahezu unblutiger Konflikt war, erwischte die Tragödie einige im Kreuzfeuer. Eine kürzliche Arbeit untersuchte die Wege der Verschwörung, örtliche Mormonenführer manipulierten andere, um am Mountain Meadows Massaker beteiligt zu sein, indem sie ihren Wunsch nach Rache ausnutzten.[9] Doch in ihrem Denkansatz zu erklären, wie im Grunde gute Menschen solch ene Gräueltat begehen könnten, fanden die Autoren Elemente wie Selbstjustiz und Massenmord, wie sie überall verübt werden. Sie stimmen zu, dass diese Mormonen aus Süd-Utah gegen die Prinzipien ihrer Religion handelten.[10] Ihre Eide darauf lehrten sie, ihre rechtschaffene Entrüstung in ein Ersuchen an Gott um Gerechtigkeit zu leiten, während sie knostuktiv daran arbeiteten, Zion zu errichten und zu verteidigen.

Utah und die Smoot-Anhörungen

Dies ist der Hintergrund für den Eid, um Gottes Rache zu beten. (eine passendere Bezeichnung als Racheeid) Die meisten Berichte über diesen Tempeleid betonen, dass Gott, nicht der Mensch, die Strafe ausführen werde. So bezeugte zum Beispiel August Lundstrom, ein abgefallener Mormone, bei den Reed-Anhörungen im Dezember 1904:

Herr [Robert W. Tayler] [Anwalt für die Protestanten]: Können Sie uns die Verpflichtung zur Vergeltung geben?
Herr Lundstrom: Das kann ich.
Herr Tayler: Tun Sie das.
Herr Lundstrom: „Wir und jeder von uns verpflichten uns feierlich und versprechen dass wir Gott bitten werden , das Blut von Joseph Smith an dieser Nation zu rächen.” Da war noch etwas dabei, aber daran kann ich mich nicht mehr wörtlich erinnern. Das ist der wesentliche Teil.
Mr. Tayler: Was war da noch? Was sonst?
Herr Lundstrom: Es ging darum, unsere Kinder und Kindeskinder auf dieselbe Weise zu belehren. [11]

Man könnte einwenden, dass sich Lundstrom als Abgefallener die Existenz eines solchen Eides ausgedacht hat oder dass er willentlich oder unwillentlich den Wortlaut verdreht hat. Doch andere, die öffentlich über den Gegenstand sprachen, hatten ähnliche Erinnerungen. Hier ist die späte Erinnerung von David H. Cannon über die Vorgehensweise im Endowment House:

Zum Vater zu beten, das Blut der Propheten und rechtschaffenen Menschen, das vergossen wurde zu rächen, usw. Das wurde im Endowment House gegeben. Doch da die Leute nur einmal dorthin gingen, hinterließ es in ihrem Gedächtnis keinen so starken Eindruck, doch als die Begabgung für die Toten in Kraft gesetzt wurde, wurde er so gegeben wie er im 9. Kapitel der Offenbarung steht und auf solche Weise, dass wir den Vater bedrängen, dass er, nicht wir, das Blut, das von Märtyrern für das Zeugnis Jesu vergossen wurde, rächen möge. [12]

Obwohl die religiöse Betonung darauf lag, Gott die Rache wirklich ausführen zu lassen, stellten sich Leute manchmal vor, sie könnten dazu aufgerufen werden, eine aktivere Rolle dabei zu spielen. Dies trat in der apokalyptischen Sprache einiger Patriarchalischer Segen zu Tage. Andere machten Bemerkungen, dass sie nicht ruhen würden, bis Gott die Rache ausführen würde. Von der Kanzel hielten viele Kirchenführer die Vereinigten Staaten als Nation für verantwortlich dafür, dass sie die Pöbelherrschaft außer Kontrolle geraten ließen. Jedoch sollten die Eide der Mitglieder sie dahingehend belehrt haben, dass sie ihre berechtigte Empörung in die Anrufung Gottes gelenkt haben, damit sie konstruktiv am Aufbau Zions mitarbeiteten.

Biblischer Blickwinkel

Der Racheeid ist eine lebhafte Mahnung, dass die Heiligen die Schriften des Apostels Paulus so verstanden, dass Gerechtigkeit eine Verantwortlichkeit ist, die Gott vorbehalten ist:

Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr. (Römer 12:19)

Parallelen in der Bibel

Christen, die in den Psalmen Trost finden, finden dort auch zusätzliche Fälle, in denen man die Rache dem Herrn übergibt. Die Fluchpsalmen sind nichts anderes als Gebete für extreme Formen göttlicher Rache. Hier einige Beispiele:

Psalm 109:8-19

Nur gering sei die Zahl seiner Tage, sein Amt soll ein andrer erhalten. Seine Kinder sollen zu Waisen werden und seine Frau zur Witwe. Unstet sollen seine Kinder umherziehen und betteln, aus den Trümmern ihres Hauses vertrieben. Sein Gläubiger reiße all seinen Besitz an sich, Fremde sollen plündern, was er erworben hat. Niemand sei da, der ihm die Gunst bewahrt, keiner, der sich der Waisen erbarmt. Seine Nachkommen soll man vernichten, im nächsten Geschlecht schon erlösche sein Name. Der Herr denke an die Schuld seiner Väter, ungetilgt bleibe die Sünde seiner Mutter. Ihre Schuld stehe dem Herrn allzeit vor Augen, ihr Andenken lösche er aus auf Erden. Denn dieser Mensch dachte nie daran, Gnade zu üben; er verfolgte den Gebeugten und Armen und wollte den Verzagten töten. Er liebte den Fluch - der komme über ihn; er verschmähte den Segen, der bleibe ihm fern. Er zog den Fluch an wie ein Gewand; der dringe wie Wasser in seinen Leib, wie Öl in seine Glieder. Er werde für ihn wie das Kleid, in das er sich hüllt, wie der Gürtel, der ihn allzeit umschließt.

Psalm 69:23-26

Der Opfertisch werde für sie zur Falle, das Opfermahl zum Fangnetz. Blende ihre Augen, sodass sie nicht mehr sehen; lähme ihre Hüften für immer! Gieß über sie deinen Grimm aus, dein glühender Zorn soll sie treffen! Ihr Lagerplatz soll veröden, in ihren Zelten soll niemand mehr wohnen.

Psalm 58:7-10

O Gott, zerbrich ihnen die Zähne im Mund! Zerschlage, Herr, das Gebiss der Löwen! Sie sollen vergehen wie verrinnendes Wasser, wie Gras, das verwelkt auf dem Weg, wie die Schnecke, die sich auflöst in Schleim; wie eine Fehlgeburt sollen sie die Sonne nicht schauen. Ehe eure Töpfe das Feuer des Dornstrauchs spüren, fege Gott die Feinde hinweg, ob frisch, ob verdorrt.

Psalm 83:14-18

Mein Gott, lass sie dahinwirbeln wie Staub, wie Spreu vor dem Wind! Wie das Feuer, das ganze Wälder verbrennt, wie die Flamme, die Berge versengt, so jage sie davon mit deinem Sturm und schrecke sie mit deinem Wetter! Bedecke mit Schmach ihr Gesicht, damit sie, Herr, nach deinem Namen fragen. Beschämt sollen sie sein und verstört für immer, sollen vor Schande zugrunde gehen.

Es ist fraglich, ob für uns heute solche Wünsche/Gebete angemessen sind, wenn wir bedenken, dass wir unter einem Paradigma des Vergebens gemäß dem Neuen Testament leben. Man beachte, dass sich im Neuen Testament sowohl Petrus als auch Paulus auf Psalm 69 berufen haben. (Apostelgeschichte 1:15-20, Römer 11:9-10) Die Schriften liefern auch Beispiele für die Rache des Herrn nach dem Sühnopfer Christi (Lukas 11:49-51, Offenbarung 16:4-7) Beispiele gibt es auch im Buch Mormon (3. Nephi 9:5-11) Philip Yancey, der Autor von „Die Bibel, die Jesus las”, erforscht das Paradoxon und kommt zum Schluss, dass die scheinbar diabolische Sprache, die in den Fluchpsalmen benutzt wird als eine Art von „Geistiger Therapie.” diente, die auch heute für uns noch angemessen zu benutzen ist. Er gibt folgende Erklärung:

Wenn jemand mir Unrecht tut, habe ich mehrere Möglichkeiten. Ich kann persönlich Rache üben, was eine Reaktion ist, die die Bibel verdammt. Ich kann meine verletzten Gefühle und meinen Zorn leugnen oder unterdrücken. Oder ich kann diese Gefühle vor Gott bringen und Gott die Aufgabe der 'ausgleichenden Gerechtigkeit' anvertrauen. Die Fluchpsalmen sind lebhafte Beispiele für die letzte Möglichkeit. 'Mein ist die Rache, ich werde vergelten', sagt der Herr. Gebete wie die Fluchpsalmen legen die Rache in die richtigen Hände. Bedeutsam ist, dass die Fluchpsalmen ihre Empörung vor Gott bringen und nicht vor den Feind.

Yancey sagt weiter:

Was ein rachsüchtiger Fluch ist, wenn er jemandem gegenüber ausgesprochen wird, ist ein Flehen hilfloser Abhängigkeit, wenn er direkt zu Gott gesprochen wird.

Er fügt hinzu:

Manchmal erkenne ich, dass während ich ihn ausspreche, mein Mitgefühl wächst. Gottes Geist spricht zu mir über meine eigene Selbstsucht, über meinen wertenden Geist, meine eigenen Mängel, die andere mit Güte und Vergebung behandelten, meinen stolzen, engstirnigen Standpunkt.

Er schließt:

wenn ich so gefühlbeladen bete, kann ich wohl erkennen, dass meine rachsüchtigen Gefühle göttlicher Verbesserung bedürfen. Doch nur, wenn ich diese Gefühle vor Gott bringe, werde ich die Gelegenheit für Verbesserung und Heilung haben. [13]

Zusammenfassung


Bis 1927 enthielt die Tempelbegabung höchst wahrscheinlich einen solchen Eid. Der genaue Wortlaut ist nicht ganz klar, doch scheint es, dass er nicht die Heiligen dazu aufrief, selbst Rache an den Vereinigten Staaten zu nehmen, sondern dass sie weiterhin darum beten sollen, dass Gott selbst das Blut der Propheten rächen möge.

Obwohl der Racheeid keine Verfluchungen enthielt wie jene in den Fluchpsalmen, so hatten wohl die Heiligen, so wie der Psalmist, die Weisheit, ihre heftigen Gefühle direkt vor Gott zu bringen als Reaktion auf die Ungerechtigkeiten, womit sie behandelt worden waren. Indem sie das taten, übertrugen sie ihm die Verantwortung sowohl für die Gerechtigkeit als auch für die Heilung.

Fußnoten

  1. [back] Van Hale, "The Alleged Oath of Vengeance," [der angebliche Racheeid] aufgezeichnet am 1. Juli 2007 während der Mormon Miscellaneous Worldwide Talk Show, [gemischten mormonischen weltweiten Talkshow]
  2. [back] Siehe 30. März 1836 Jesse Hitchcock Bericht in "MS Joseph Smith Journal, 1835-36," 193 pp., Joseph Smith Collection, LDS Church Archives zitiert in Dean C. Jesse, ed., The Personal Writings of Joseph Smith (Salt Lake City: Deseret Book, 1984)
  3. [back]  Wilford Woodruff Interview, Deseret News 22. November 1889
  4. [back] Eine Geschichte der Gebetskreise siehe D. Michael Quinn, "Latter-day Saint Prayer Circles," Brigham Young University Studies 19:1 (Herbst 1978): 79–105
  5. [back] Siehe seinen Tagebucheintrag vom 21. Dezember 1845 in The Nauvoo Endowment Companies, 1845–1846: A Documentary History, Richard Van Wagoner, Devery Scott Anderson, and Gary James Bergera, Herausgeber. (Salt Lake City: Signature Books, 2005).
  6. [back] Claire Noall, "The Plains of Warsaw," Utah Historical Quarterly 25:1 (Januar 1957), pp. 47–51.
  7. [back] David John Buerger, "The Development of the Mormon Temple Endowment Ceremony [die Entwicklung der mormonischen Tempelbegabungszeremonie]," Dialogue: A Journal of Mormon Thought 34:1 (Spring/Summer 2001): 103. PDF
  8. [back]  Paul H. Peterson, "The Mormon Reformation of 1856–1857: The Rhetoric and the Reality," Journal of Mormon History 15/1 (1989): 59–88.
  9. [back]  Ronald W. Walker, Richard E. Turley, Jr., and Glen M. Leonard, Massacre at Mountain Meadows (New York City: Oxford University Press) pp. 13–14,92,135,181,286n48
  10. [back]  Massacre at Mountain Meadows pp. xiii–xiv
  11. [back] Zeugenaussage von August W. Lundstrom, Proceedings before the Committee on Privileges and Elections of the United States Senate in the Matter of the Protests Against the Right of Hon. Reed Smoot, a Senator from the State of Utah, to Hold His Seat [Protokoll des Falles der Proteste gegen das recht des ehrenwerten Reed Smoot, Senator des Staates Utah, seinen SItz einzunehmen vor dem Komittee über Privilegien und Wahlen des Senats der Vereinigten Staaten.] (Washington, D.C.: Government Printing Office, 1906), 2:153.
  12. [back] Philip Yancey, "The Bible Jesus Read," [Die Bibel, die Jesus las](Grand Rapids, Michigan, Zondervan, 1999) pp. 133–139.



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