Nephi's Tötung von Laban

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Was Nephis Tötung von Laban kaltblüter Mord?


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Frage

Wie können Heilige der Letzten Tage auf die Tötung Labans durch Nephi als positives Beispiel für eine Person im Buch Mormon hinweisen? War denn das kein kaltblütiger Mord? Gibt dieser Abschnitt denn nicht jedem, der das Gefühl hat, Gott habe ihm das gesagt, das Recht, „die Bösen” zu töten?

Detailierte Antwort

siehe auch

  • Heiliger Geist
    Kurze Zusammenfassung: Warum wird der Heilige Geist so oft im Buch Mormom in vorchristlichen Zeiten erwähnt (1. Nephi 10:17), obwohl der Heilige Geist im Alten Testament kaum erwähnt wird, besonders im Hinblick auf seine Mission, die Wahrheit zu bezeugen? (Zum vollständigen Artikel)
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  • Konnte Satan Nephi täuschen?
    Kurze Zusammenfassung: Kritiker klagen, dass die Geschichte, dass Nephi, dem von Gott geboten wurde, (1. Nephi 4:5-18) Laban zu erschlagen, problematisch ist weil 1.) der Engel, der zu Nephi kam, der dämonische „Engel des Lichts” hätte sein können, der gesandt war, ihn zu betrügen; 2.) Nephi hörte eine Stimme im Kopf”, die ihm befahl, Laban zu töten; dies kann ein Psychose sein oder eine Wahnvorstellung. (Zum vollständigen Artikel)
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Nephis Vorgehen gegen Laban (siehe 1. Nephi 4:5-18) erscheint auf den ersten Blick grausam und extrem. Das ist aber ein typisches Beispiel für das Problem kultureller Unterschiede. Heutige Leser, aufgewachsen in westlicher Kultur und Denkweise, sind oft nicht in der Lage, das Geschehen mit der Zeit und dem Ort Nephis zu verbinden.

Hugh Nibley erinnerte sich:

Als der Autor 1946 eine kleine Schrift mit dem Titel Lehi in der Wüste aus dem damals in Utah verfügbaren begrenzten Material zusammenstellte, hatte er wissentlich noch nie einen Araber gesehen. Innerhalb der letzten fünf Jahre waren Mitglieder des Stammes der Aneze und Bürger von Mekka einschließlich einiger Führer zu den heiligen Stätten in Provo seine Studenten. Inzwischen war Utah mit einer ausgezeichneten arabischen Bibliothek ausgestattet worden dank den inspirierten Bemühungen von Professor Aziz Atiya von der University of Utah. Als ob es nicht genug wäre, dass der Berg zu Mohammed kommt, fanden sich diese nach Provo gekommenen Söhne in einer vorgeschriebenen Vorlesung über das Buch Mormon von mir wieder. Natürlich war ich mehr als neugierig zu sehen, wie diese jungen Männer auf die Behandlung der Wüstenthemen im Buch Mormon reagieren würden und lud sie ein, ja ich verlangte von ihnen, frei heraus ihre Eindrücke zu berichten. Bis heute wurde mit einer Ausnahme in technischer Hinsicht kein Fehler gefunden. Diese eine Ausnahme verdient die Aufmerksamkeit aller Möchtegernkritiker des Buches Mormon.
Es war die erste Klasse, die je in „Buch Mormon für Studenten aus dem Nahen Osten” gehalten wurde und das Semester hatte kaum begonnen, als wir natürlich auf die Geschichte stießen, wie Nephi Laban sturzbetrunken in einer dunklen Gasse fand und ihm den Kopf abschnitt, eine grausige Geschichte, die Nephi selbst aufregt, als er sie berichtet. Als wir die finstere Episode durcharbeiteten, konnte ich sichtbare Zeichen der Verärgerung unter den arabischen Studenten wahrnehmen: geflüsterte Bemerkungen, Kopfschütteln und Grimassen der Ablehnung. Schließlich, gegen Ende der Stunde konnte es ein kluger junger Mann aus Jordanien nicht mehr ertragen. Herr Nibley, sagte er und sprach auch für die anderen, „Eines ist hier falsch. Es klingt nicht richtig. Warum hat dieser Nephi so lange gewartet, bis er Laban den Kopf abschnitt?” Nachdem ich den üblichen Protest von Schock und Ekel erwartet hatte, mit dem westliche Kritiker auf die Geschichte über Laban reagieren, war ich verblüfft über diesen Angriff, verblüfft mit einer neuen Einsicht in das Buch Mormon als eine Botschaft aus einem anderen Zeitalter und aus einer anderen Kultur.[1]

John Welch hat auch argumentiert, dass die Handlung Nephis als vom Gesetz gedeckte Tötung eines Menschen zu verstehen ist, und nicht als krimineller Menschenmord.[2] Das biblische Gesetz bezüglich Mord, unter dem Nephi und Laban handelten, erforderte eine höheres Maß an Vorsatz und an Feindseligkeit, als sie Nephi zeigte oder das heutige Gesetz erfordert. Andere Faktoren innerhalb des Buches Mormon unterstützen ebenso wie die Tötung des Ägypters durch Moses (siehe Exodus 2) seinen Schluss, dass Nephi unter dem Gesetz seiner Tage nicht die Entsprechung eines schweren Mordes begangen hatte.

Gerechtfertigte Tötung eines Menschen

Es ist klar, dass die Entscheidung, Laban zu köpfen, für Nephi schwierig war. Er schreibt seinen Bericht darüber Jahre später, und wir können immer noch sehen, wie sehr ihn das aufwühlte:

Und es begab sich: Ich wurde vom Geist gedrängt, Laban zu töten; aber ich sprach in meinem Herzen: Noch nie habe ich das Blut eines Menschen vergossen. Und ich schreckte zurück und wünschte, ich brauchte ihn nicht zu töten. (1. Nephi 4:10)

Nephi möchte deutlich klarstellen, dass seine Tötung von Laban vom Herrn sanktioniert war und daher kein Mord. In seinem Bericht liefert er einige Aspekte dieser Sichtweise.[3]

Die „Anklage” gegen Nephi

Was ist die mögliche juristische „Anklage” gegen Nephi? Mord. Im Gesetz des Mose (ironischerweise tötet Nephi um in seinen Besitz zu gelangen) steht:

Wer einen Menschen so schlägt, dass er stirbt, wird mit dem Tod bestraft. (Exodus 21:12)

Wie viele moderne Rechtssysteme unterscheidet das biblische Gesetz verschiedene Arten der Tötung. Im selben Kapitel heißt es weiter:

Wenn er ihm aber nicht aufgelauert hat, sondern Gott es durch seine Hand geschehen ließ, werde ich dir einen Ort festsetzen, an den er fliehen kann. Hat einer vorsätzlich gehandelt und seinen Mitbürger aus dem Hinterhalt umgebracht, sollst du ihn von meinem Altar wegholen, damit er stirbt. (Exodus 12:13-14)

Das hängt mit dem Grundsatz der Asylstädte zusammen. Jemand, der ohne Absicht tötete, was wir als Totschlag, jemanden ohne Vorsatz zu töten, bezeichnen könnten, durfte in eine „Zufluchtsstadt” in Israel fliehen, wo er von einer zur Rache entschlossenen Familie nicht getötet werden konnte. [4] In all jenem bildet die vorherige Planung den Schlüsselaspekt. Hast du ihnen aufgelauert? Hast du versucht ihn aus dem Hinterhalt umzubringen?, das heißt hast du dich verschworen und es ausgeplant?

Nephi stellt das also völlig klar: Er ging nach Jerusalem „und ich wurde vom Geist geführt; ich wußte nicht im voraus, was ich tun sollte.” [5]

Er betont auch wiederholt, dass der Geist ihm sagte, „der Herr hat ihn in deine Hand gegeben.”[6] Nephi stellt sich selbst also eindeutig in diesen Rahmen des jüdischen Gesetzes: Er hat sich nicht zum Tod des Laban verschworen, er ist nicht mit der Absicht, Laban zu töten in die Stadt gegangen und der Herr hat ihn einfach „in seine Hand gegeben”.

Ausnahmen vom Gesetz

Da der Herr der Gesetzgeber und Herrscher Israels ist, kann er befehlen, dass seine Leute töten. Solch ein Befehl ist sicherlich Josua in den Tagen der Eroberung Kanaans gegeben worden,[7] und Saul kam in Schwierigkeiten, weil er einen König nicht hinrichtete, dessen Tod Samuel befohlen hatte.[8]

Nephi verbindet sich also mit demselben Gedanken, wenn er erwähnt, dass der Geist ihn „gedrängt” (constrained) hat, Laban zu töten. (Siehe Vers 10)

Das englische Verb „constrain” ist noch stärker als das deutsche „drängen”. Webster's English Dictionary, veröffentlicht ungefähr ein Jahr vor der Übersetzung des Buches Mormon in den USA, definiert dieses Wort so:

nötigen oder zwingen; mit unwiderstehlicher Macht drängen; „im Gegensatz zur Natur erzeugen” [9]

Wir dürfen schließen, dass das Gebot des Geistes sowohl überwältigend als auch völlig außerhalb von Nephis Absicht und Wesen war und nur vollbracht wurde, da das Gebot des Herrn „unwiderstehlich” war.

Hat Laban den Tod verdient?

Können wir uns vorstellen, das Gott den Tod Labans billigt? Nephi ruft das Verhalten von Laban als „Zeugen” dafür auf, dass er unter dem jüdischen Gesetz bereits hätte zum Tod verurteil sein sollen:

1) Laban hatte „danach getrachtet mir das Leben zu nehmen” Er schickte ihnen Diener nach, um sie zu töten.[10] 2) Laban wollte nicht „auf die Gebote des Herrn hören”. Er wollte ihnen die Platten nicht geben und sehr wahrscheinlich wollte er die Warnungen und Gebote, die Lehi vor seiner Flucht gegeben hatte, nicht hören.

Das ist ein grundlegende Verletzung des Bundes, unter dem Juden im Land Jerusalem leben sollten:

Daran sollst du erkennen: Jahwe, dein Gott, ist der Gott; er ist der treue Gott; noch nach tausend Generationen achtet er auf den Bund und erweist denen seine Huld, die ihn lieben und auf seine Gebote achten. Denen aber, die ihm Feind sind, vergilt er sofort und tilgt einen jeden aus; er zögert nicht, wenn einer ihm Feind ist, sondern vergilt ihn sofort. (Deuteronomium 7:9-10)

3) Laban legte falsches Zeugnis zumindest gegen Laman und Lehi ab.

Als wichtiger Mann im Militär, könnte Laban derjenige gewesen sein, der damit beauftragzt war, das Todesurteil an Lehi für dessen „Verrat” durch die Prophezeiung der Zerstörung Jerusalems zu vollstrecken. (Jeremia musste erfahren, wie sehr das jemanden bei den politischen Herrschern beliebt machte!) Kein Wunder, dass sich Laman und Lemuel beklagten, als ihnen gesagt wurde, die Platten von diesem Mann zu holen.

Abzustreiten, das jemand ein wahrer Prophet Gottes war, war gleichbedeutend damit zu sagen, dass er den Tod verdiente:

Der Prophet oder Traumseher aber soll mit dem Tod bestraft werden. Er hat euch aufgewiegelt gegen den Herrn, euren Gott, der euch aus Ägypten geführt und dich aus dem Sklavenhaus freigekauft hat. Denn er wollte dich davon abbringen, auf dem Weg zu gehen, den der Herr, dein Gott, dir vorgeschrieben hat. Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen. (Deuteronomium 13:6)
Doch ein Prophet, der sich anmaßt, in meinem Namen ein Wort zu verkünden, dessen Verkündigung ich ihm nicht aufgetragen habe, oder der im Namen anderer Götter spricht, ein solcher Prophet soll sterben. (Deuteronomium 18:20)

Das ist kein müßiges Gerede: Wenn Laban gesagt hat, dass Lehi (und Nephi) falsche Propheten waren (was er getan haben muss, da er die Berichte nicht hergibt, von denen sie behaupten, dass der Herr gesagt habe, sie sollen sie erlangen), dann legt er „falsches Zeugnis” ab. Was in Israel die Strafe dafür?

wenn die Richter eine genaue Ermittlung anstellen und sich zeigt: Der Mann ist ein falscher Zeuge, er hat seinen Bruder fälschlich bezichtigt, 19 dann sollt ihr mit ihm so verfahren, wie er mit seinem Bruder verfahren wollte. Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen. (Deuteronomium 19:18-19)

Wenn also jemandes falsches Zeugnisvursacht haben könnte, dass jemand bestraft würde, soll der falsche Zeuge jene Strafe bekommen, die die Beschuldigten bekommen hätten. Labans Weigerung, sie als wahre Propheten anzuerkennen, unterwarfen sie der Hinrichtung. UNter dem gesetz war das die Strafe, die er verdiente.

Laban beschuldigte auch Laman, ein Räuber zu sein [11], was eine ersnte Anschuldigung darstellte:

Angenommen aber, er zeugt einen Sohn, der gewalttätig wird, der Blut vergießt oder eine andere von diesen Sünden begeht, während er (der Vater), all das nicht getan hat, (einen Sohn,) der auf den Bergen Opfermahlzeiten abhält, der die Frau seines Nächsten schändet, der die Elenden und Armen unterdrückt, andere beraubt und dem Schuldner das Pfand nicht zurückgibt, der zu den Götzen aufblickt und Gräueltaten verübt, der gegen Zins leiht und Wucher treibt - soll der dann am Leben bleiben? Er soll nicht am Leben bleiben. Er hat alle diese Gräueltaten verübt, darum muss er sterben. Er ist selbst schuld an seinem Tod. (Ezechiel 18:10-13)

4) Laban hat auch unseren Besitz weggenommen.

Nicht nur, dass Laban Laman fälschlich beschuldigte, ein Räuber zu sein, wobei dadurch Labans Leben gefährdet wurde, Laban war selbts ein Räuber: Er nahm ihre Besitztümer mit Gewalt und unter Todesdrohung.

Wenn ein Dieb im Verlauf seines Diebstahls getötet wurde, dann war das kein Mord.[12] Man könnte sogar argumentieren, dass sich Laban am fortgesetzten Diebstahl, entweder an Lehis Waren oder an den Platten, die Brüder zu „kaufen” versucht hatten. EInes von beidem muss Lehis Familie gehören. Dass Laban ihre Schätze an sich genommen hat, ohne dafür die Platten herauszugeben, die sie im tausch dafür wollten, verbunden mit Drohungen, sie zu töten, macht ihn zu einem Räuber und unter dem jüdischen Gesetz verdient er den Tod.


Fußnoten

  1. [back] Hugh W. Nibley, An Approach to the Book of Mormon, 3rd edition, (Vol. 6 of the Collected Works of Hugh Nibley), edited by John W. Welch, (Salt Lake City, Utah : Deseret Book Company ; Provo, Utah : Foundation for Ancient Research and Mormon Studies, 1988), xii. ISBN 0875791387
  2. [back] John W. Welch, "Legal Perspectives on the Slaying of Laban," Journal of Book of Mormon Studies 1/1 (1992): 119–141
  3. [back]  John W. Welch, "Legal Perspectives on the Slaying of Laban," Journal of Book of Mormon Studies 1/1 (1992): 119–141
  4. [back]  Siehe Numeri 35:25. Die Asylstädte wurden in Josua 20:1 eingerichtet.
  5. [back]  Siehe 1. Nephi 4:6
  6. [back]  Siehe 1. Nephi 4:11,12,17
  7. [back]  Siehe Josua 6:17-21 und Josua 8:26
  8. [back]  Siehe 1. Samuel 15:2-3, 14-23
  9. [back]  Webster's American Dictionary of the English Language (New York: Converse, 1828)
  10. [back]  Siehe 1. Nephi 3:25
  11. [back]  Siehe 1. Nephi 3:13
  12. [back]  Siehe Exodus 22:2


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