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Im September 1857 tötete eine Gruppe Mormonen alle Mitglieder eines Wagenzuges aus Arkansas, der nach Kalifornien unterwegs war, mit Ausnahme einiger Kinder. Kritiker behaupten, das Massaker wäre typisch für eine mormonische „Kultur der Gewalt” und behaupten, dass Kirchenführer, möglicherweise bis zu Brigham Young hinauf, die Tötung gebilligt oder sogar anordnet hätten.
Eines der tragischsten und verstörendsten Ereignisse der mormonischen Geschichte fand am 11. September 1857 statt, als ungefähr 120 Männer, Frauen und Kinder, die durch Utah nach Kalifornien zogen, durch eine Streitmacht aus mormonischen Milizangehörigen und südlichen Paiute Indianern massakriert wurden. Das Mountain Meadows Massaker, wie es genannt wird, ist immer noch ein Gegenstand von Interesse und Kontroversen, während Mormonen und Historiker sich mühen, die Vorkommnisse zu verstehen. Zugleich trachten die Gegner der Kirche danach, es für polemische Zwecke auszuschlachten.
Kurz vor dem 24. Juli 1847 betrat die erste Gruppe von Mormonenpionieren das Tal des Großen Salzsees. Diese Heiligen waren die Vorhut der Kirchenmitglieder, die von einem wütenden Mob aus Nauvoo, Illinois, vertrieben worden waren. Zur Zeit der Anfänge der Besiedlung gehörte das Gebiet, das später als Utah bekannt wurde, noch zu Mexiko, wurde aber im Frieden von Guadalupe Hidalgo, der den mexikanisch-amerikanischen Krieg Anfang 1848 beendete, an die USA abgetreten. (Der Frieden trat das ganze Gebiet, das später Kalifornien, Nevada, und Utah wurde, ebenso wie Teile der heutigen Staaten Texas, Colorado, Arizona, New Mexico und Wyoming an die USA ab.)
Im Laufe der nächsten zwei Jahre erreichte die Masse der Kirchenmitglieder das Tal, die aus Nauvoo vertrieben worden waren. Great Salt Lake City wurde erbaut und unter der Führung von Brigham Young wurden Satellitensiedlungen nördlich, südlich und westlich der Stadt errichtet. Die Plätze für diese Siedlungen wurden oft wegen des Vorhandenseins eines wichtigen Rohstoffes ausgewählt. Ein solcher Rohstoff war eine Eisenlagerstätte die dort gefunden wurden, was später Iron County im Süden Utahs wurde.
Die Fortsetzung erfolgreicher Missionsarbeit im Osten der Vereinigten Staaten und in Europa brachte den mormonischen Ortschaften einen stetigen Zufluss von zum Mormonismus Bekehrten. Die Bevölkerung wuchs weiter und die Besiedlung breitete sich in die heutigen Staaten Idaho, Kanada, Nevada, Kalifornien, Arizona, Wyoming und Nordmexiko aus.
1850 wurde Utah als US-Territorium organisiert mit Brigham Young als Gouverneur. Wegen des Status als Territorium behielt sich die Bundesregierung die Ernennung von Beamten auf den verschiedenen Ebenen vor, zusätzlich zu Bundesbeamten innerhalb des Territoriums. Ohne Zweifel gab es viele ehrenhafte Diener der Öffentlichkeit unter ihnen, doch eine Anzahl der vom Bund ernannten Beamten sowohl auf Bundes- als auch auf Territorialebene, einschließlich einiger Richter, stellten sich als bestechlich heraus und missbrauchten die Vorrechte ihrer Ämter. Wegen des Verhaltens einiger dieser Männer gab es einen Skandal und sie verließen das Territorium in Ungnade. Statt dass sie die Verantwortung für ihr Versagen übernommen hätten, erklärte eine Gruppe von ihnen öffentlich, als sie in den Osten zurückkehrten, sie wären mit Gewalt vertrieben worden und die Mormonen hätten gegen die Autorität der Bundesregierung rebelliert.
Diese Behauptungen verursachten einen ganz schönen Aufruhr in Washington. Die neu gegründete Republikanische Partei verlangte, dass mit den Mormonen etwas geschehen müsse. Ohne irgend eine Untersuchung ernannte US-Präsident James Buchanan Alfred Cumming zum Gouverneur des Territoriums und befahl am 29. Juni 1857 Bundestruppen Cumming nach Utah zu eskortieren. Zusätzlich befahl Buchanan die Unterbrechung der Postdienste für Utah, um den anrückenden Truppen den Vorteil der Überraschung zu verschaffen.
Trotz der Bemühungen Buchanans, das Anrücken der Truppen geheim zu halten, informierten mormonische Postreiter Brigham Young, den amtierenden Gouverneur, im folgenden Monat, dass die Truppen unterwegs nach Utah waren. Er war nicht offiziell benachrichtigt worden, dass er abgelöst werden sollte, daher betrachtete er die Nachricht zusammen mit den Bemühungen, die Truppenbewegung zu verbergen, als kriegerischen Akt der Regierung der Vereinigten Staaten gegen die Mormonen. Brigham Young wies alle Missionare an, nach Utah zurückzukehren, befahl die Schließung aller Missionen und die Aufgabe der isolierteren mormonischen Kolonien. Er bereitete das Territorium zur Verteidigung gegen die anrückende Armee vor, indem er eine Politik der verbrannten Erde verfolgte. Er sandte kleine Gruppen aus, um die anrückenden Truppen zu belästigen mit der Absicht, ihren Vormarsch zu verlangsamen, während er die Heiligen auf die sehr reale Möglichkeit kommender Schlachten vorbereitete.
Die Nachricht von der anrückenden Armee verbreitete sich rasch unter den Heiligen, als die Vorbereitungen getroffen wurden. Viele mormonische Siedler erinnerten sich noch lebhaft an die Härten, als sie zwangsweise und gewalttätig 1838 aus Missouri und 1846 aus Illinois vertrieben worden waren. Sie waren entschlossen, sich nicht noch einmal aus ihren Häusern vertreiben zu lassen. Die Stimmung im Territorium war erbittert und entschlossen. Dieser Konflikt, bekannt als Utah-Krieg, wurde schließlich friedlich beigelegt, doch gerade in dieser angespannten Atmosphäre traf der Baker-Fancher Wagenzug im August 1857 ein.
Der Baker-Fancher Wagenzug bestand aus Auswanderern, die nach Kalifornien wollten und ihre Reise in Arkansas und Missouri begonnen hatten. Die Anzahl der Personen in diesem Wagenzug wird auf 120 geschätzt, einige Berichte sprechen von 140. Diese Zahl beinhaltete Männer, Frauen und Kinder. Angeführt von John T. Baker und Alexander Fancher wurde berichtet, der Zug sei sehr gut ausgestattet gewesen mit reichlich Vieh, Pferden und Maultieren.
Der Baker-Fancher-Zug traf etwa Ende Juli 1857 in Salt Lake City ein und kampierte im Westen der Stadt, leicht südlich am Jordan River. Offensichtlich erregte ihre Ankunft keine Bedenken oder Sorgen, da sie in den Zeitungen der Zeit nicht erwähnt werden. Der Gruppe wurde von Elder Charles C. Rich geraten, sich in Richtung Kalifornien auf den Weg zu machen, indem sie das Nordufer des Great Salt Lake umgingen und sie begannen diesem Rat zu folgen. Sie kamen bis zum Bear River und entschieden sich dann dafür, die südliche Route zu nehmen. Das heißt, dass sie nochmals durch Salt Lake City kamen und dann weiter nach Süden durch Provo, Springville und Payson.
Es gab keine Berichte über Schwierigkeiten in Bezug auf die Baker-Fancher Gruppe, bis sie Fillmore (etwa 240 km südlich von Salt Lake City) erreichten. Von diesem Punkt an und durch die Siedlungen weiter südlich gab es Beschwerden, dass die Auswanderer damit prahlten, an den Gewalttätigkeiten gegen die Mormonen in Missouri und Illinois beteiligt gewesen zu sein, dass sie eine Quelle vergifteten und dass sie damit drohten, eine der mormonischen Siedlungen zu zerstören.
Es war auch allgemein bekannt, dass der Zug aus Arkansas kam, wo früher in dem Jahr der geliebte Apostel Parley P. Pratt in der Nähe der Stadt Van Buren ermordet worden war. Es gab Gerüchte, dass einige im Wagenzug zu denjenigen gehörten, die sich an der Ermordung Pratts beteiligten oder dass sie sich mit seiner Ermordung brüsteten. Es gibt auch Berichte, dass einige der Auswanderer einigen Heiligen der Letzten Tage sagten, nachdem sie ihre Familien nach Kalifornien gebracht haben würden, würden sie wiederkommen, sich der Armee anschließen und helfen, die Mormonen zu unterwerfen.
Falls etwas Wahres an diesen Gerüchten ist, ist es klar, dass die Reise des Baker-Fancher Wagenzuges durch den Süden Utahs nicht so unbeachtet vonstatten ging, wie es im Norden Utahs der Fall gewesen war. Die Anwesenheit des Zugs trug nicht dazu bei, die wegen des Utah Kriegs vorhandenen Spannungen zu mildern.
Es begann mit der Öffnung des Oregon Trails und wurde durch die Entdeckung von Gold in Kalifornien beschleunigt, dass zahlreiche Auswanderer das Innere des Kontinents zur Westküste durchquerten. Vor der Fertigstellung der transkontinentalen Eisenbahn waren Überlandreisen sowohl schwierig als auch gefährlich. Amerikanische Ureinwohner, aufgeschreckt durch ständig steigende Zahlen von Siedlern, die ihr Land durchquerten, griffen die Auswanderergruppen oft an. Auch das Wetter konnte gefährlich sein mit frühem Wintereinbruch im Hochland und plötzlichen Unwettern zu jeder Jahreszeit. Zum Schutz gegen all diese Gefahren schlossen sich Auswanderer üblicherweise zu großen Gruppen zusammen, den sogenannten Wagenzügen. Gedeckte Wagen von Art des „Prärieschoners” waren die meist verwendeten Fahrzeuge. Das Klima machte Reisen über Land zu einer Sache der Jahreszeit, da die Siedler versuchten, ihre Reise während der warmen Monate abzuschließen. Vom Winter auf den Hochebenen oder in den Gebirgspässen überrascht zu werden, war oft ein tödlicher Fehler.
Die mormonischen Siedlungen in Utah stellten für die Reisenden wichtige Stützpunkte zum Rasten und zum Auffüllen der Vorräte dar. Einer der meist benutzten Wege nach Kalifornien zweigte in Nordutah vom Oregon Trail ab und lief fast genau südlich durch Salt Lake City, um sich später mit dem Old Spanish Trail zu vereinen. Emigranten konnten von Unternehmen in Salt Lake City und anderen Orten Lebensmittel und andere Güter kaufen. Ihre Tiere, sowohl die Zugtiere als auch das Vieh, konnten inzwischen ausgezeichnetes Weideland an einem Platz nahe des westlichen Endes der Pine Valley Mountains finden, etwa 50 km westlich von Cedar City und 45 km nördlich von St. George. Der Platz hieß las Vegas de Santa Clara, the Mountain Meadows oder die Bergweiden. Für Auswanderergruppen war es üblich, dort einige Tage oder sogar Wochen zu kampieren, während ihre Tiere die Kondition erwarben, die sie für die vor ihnen liegenden mörderischen Wüstendurchquerungen brauchten.
Es gab viele, viele Beteiligte an der Tragödie an den Mountain Meadows. Im folgenden sind jene in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt, die von einem historischen Standpunkt als die Hauptbeteiligten betrachtet werden.
William H. Dame war zur Zeit des Massakers der Kommandant des Iron Military District mit dem Milizrang eines Obersten. Er diente zu der Zeit auch als Bischof in der HLT Kirche. Er hat am Massaker nicht persönlich teilgenommen, aber nach den Regeln der Militärjustiz damals wie heute war er für die Handlungen der Soldaten und Offiziere unter seinem Kommando verantwortlich.
Isaac C. Haigt wurde am 27. Mai 1813 in Windham, New York geboren. Er war Kommandant des zweiten Bataillons der Iron County Miliz mit dem Rang eines Oberstleutnant und der Stellvertreter von Oberst Dame. Seine kirchliche Position war die eines Pfahlpräsidenten. Die Rolle von Haight beim Massaker war sehr komplex. Er war an der Planung beteiligt, bemühte sich aber auch die Aktionen gegen die Auswanderer aufzuhalten oder zumindest zu verzögern. Bemühungen, Haigt und andere nach dem Massaker gerichtlich zu belangen, blieben fruchtlos.
John H. Highbee war Major in der Iron County Miliz und diente unter Isaac C. Haight. Nach allen Berichten ist er derjenige, der den Befehl zum Beginn des Massakers gab. Seine kirchliche Position war Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft von Isaac C. Haight.
Philip Klingensmith war ein Bischof in Cedar City und Offizier in der Iron County Miliz. In dieser letzteren Rolle transportierte er Befehle und andere Botschaften zwischen verschiedenen Milizoffizieren. Er war beim Massaker anwesend und wurde dann Zeuge des Staates, doch seine Aussage war für die Behörden keine wirkliche Hilfe.
John Doyle Lee wurde am 12. September 1812 in Kaskadia, Illinois geboren und am 17. Juni 1838 getauft. Er erfüllte zahlreiche Missionen für die Kirche und zog schließlich 1850 oder 1851 nach Südutah. Zur Zeit des Massakers war er Major in der Iron County Miliz und Kommandant ihres vierten Bataillons. Lee war der einzige, der wegen seiner Beteiligung am Massaker je verurteilt wurde.
Als der Baker-Fancher Wagenzug bei Mountain Meadows kampierte, beschlossen einige Einwohner von Cedar City und den umliegenden Gebieten, dass etwas gegen die Auswanderer unternommen werden müsse. Die erhöhten Unruhen durch Gerüchte über den Wagenzug, die herumschwirrten, die anrückenden Bundestruppen, die Trockenheit, unter der in jenem Jahr viele gelitten hatten und die Erinnerung an die Gewalttaten in Missouri und Illinois vereinigten sich zu einer explosiven Stimmung, doch war den Bewohnern nicht klar, was sie unternehmen sollten.
Diese ausgezeichnete Zusammenfassung der Ereignisse an den Tagen unmittelbar vor dem Massaker hat Robert H. Briggs verfasst:
In einem Treffen in Cedar City am Nachmittag des 6. September 1857 erfuhren örtliche Führer, dass der Wagenzug bei Mountain Meadows von Paiute Indianern umzingelt sei, die entschlossen seien, die Auswanderer anzugreifen. (Einige Historiker sind unsicher, ob die Paiute überhaupt am Massaker beteiligt waren. Einige nehmen an, dass es sich um weiße Männer handelte, die als Indianer verkleidet waren.) Die Führer entschieden, dass sie Brigham Young fragen mussten, was sie tun sollten, daher schickten sie einen schnellen Reiter mit einer Botschaft in diesem Sinn nach Salt Lake City. James H. Haslam ritt am Montag, 7. September los und schaffte die Strecke von 480 km in nur ein bisschen mehr als drei Tagen. Innerhalb einer Stunde hatte er eine Antwort von Brigham und begann den Ritt zurück nach Cedar City. Birghams Botschaft war auszugsweise: „Bezüglich der Auswandererzüge, die durch unsere Siedlungen reisen, dürfen wir nicht eingreifen, bis ihnen gesagt wurde, dass sich fernhalten sollen. Ihr dürft euch nicht mit ihnen beschäftigen. Von den Indianern erwarten wir, dass sie mit ihnen tun, wie sie möchten, doch ihr sollt versuchen gute Gefühle zwischen ihnen und euch zu erhalten.” Leider kam der Bote erst zwei Tage nach dem Massaker, am 13. September 1857, wieder in Cedar City an.
Als Haslam am 7. September nach Salt Lake City aufbrach, begann der Angriff der Indianer. Einige der Auswanderer wurden getötet, ebenso einige Indianer, was ein Patt ergab. Die Auswanderer bildeten eine Wagenburg und hoben einen Schützengraben aus und die Indianer sandten einen Aufruf nach Verstärkung ins umgebende Land. Sie schickten auch nach John D. Lee, einem Farmer der Gegend, der mit den Indianern ein freundliches Verhältnis hatte. Gemäß Lees späterer Aussage vor Gericht, baten ihn die Indianer beim Angriff zu helfen. Stattdessen fragte er in Cedar City nach, was zu tun sei.
An diesem Punkt wird die Darstellung der Ereignisse lückenhaft. Die meisten Informationen stammen von Lee und die Wahrhaftigkeit seiner Aussagen ist naturgemäß zweifelhaft. Er sagte aus, dass nach kurzem einige Indianer mehr da waren und auch weiße Siedler, die sich der Gruppe außerhalb der Belagerung anschlossen. Am Abend des 10. September und am folgenden Morgen diskutierten die Weißen, was sie tun sollten. Es scheint, dass ein Faktor, der zu ihrer schließlichen mörderischen Entscheidung führte, die Tötung eines Auswanders durch einen Weißen am vorhergehenden Abend war. Es scheint, dass zwei Männer der Baker-Fancher Gruppe das Lager verließen, denen die das Lager umstellt hatten entkamen und nach Cedar City losgingen, um dort um Hilfe zu bitten. Nach ein paar Meilen trafen die zwei drei Männer, die sie um Hilfe baten, aber dann wurden sie von den weißen Männern angegriffen. Einer der beiden wurde getötet, doch dem anderen gelang es, zur Baker-Fancher Gruppe zurückzukommen.
Wie konnte eine solche Nachricht die Entscheidung, die Auswanderer zu massakrieren beeinflussen? Ohne Zweifel wurde die Nachricht, dass sowohl Indianer als auch Weiße (Mormonen) die Auswanderer angriffen, nicht positiv aufgenommen. Sollte einer der Auswanderer nach Kalifornien entkommen und die Geschichte berichten, dann würden die ohnehin schon sehr starken Vorurteile gegen die Mormonen sich weiter entzünden und die Wahrscheinlichkeit, dass eine militärische Streitmacht von Westen über die südlichen Siedler kommen würde, wäre stark erhöht. Einer Armee aus dem Osten gegenüberzutreten, mag erträglich erscheinen, doch einer sowohl im Osten als auch im Westen gegenüberzutreten, war völlig untragbar.
Solche Argumente entschuldigen natürlich die nicht Entscheidung, die die Weißen in der Gegend dann trafen. Sie bieten nur die Möglichkeit, etwas von der Aufregung und Hysterie, die sich in der Gegend entwickelte, zu verstehen. Anscheinend wurde am Morgen des 11. September die Entscheidung getroffen, alle über sieben Jahre alten der Baker-Fancher Gruppe zu zerstören. Um das Massaker mit minimalen Verlusten unter den weißen Männern zu vollziehen, wurde entschieden, die Auswanderer aus ihrer Wagenburg ins offene Gelände zu locken. In den Worten von B.H. Roberts:
So wurde am 11. September von William Bateman eine Parlamentärsflagge zur Baker-Fancher Gruppe gebracht. Er traf außerhalb des Lagers einen Auswanderer, einen Herrn Hamilton und es wurde eine Vereinbarung getroffen, dass John D. Lee mit den Auswanderern sprechen werde. Lee erklärte ihnen ein Plan, wie sie durch die feindlichen Indianer gebracht werden sollten. Der Plan beinhaltete, dass die Auswanderer ihre Waffen abgeben, ihre Verwundeten in die Wagen laden, die von den Frauen und älteren Kindern gefolgt werden, wobei die Männer in einer Einerreihe den Abschluss der Gruppe bilden. Wenn sie mit dieser Vereinbarung einverstanden seien, werden die weißen Männer die Auswanderer sicher nach Cedar City zurückgeleiten, wo sie beschützt werden würden, bis sie ihre Reise nach Kalifornien fortsetzen könnten.
Die Auswanderer stimmten zu, die Wagen wurden in Position gebracht und mit den Verwundeten und den Waffen beladen und die Prozession startete in Richtung Cedar City. Nach kurzer Entfernung wurde ein bewaffneter Weißer neben jedem Erwachsenen der Baker-Fancher Gruppe positioniert, angeblich zum Schutz. Als alle an ihrem Platz waren, wurde ein vereinbartes Signal gegeben und jeder der bewaffneten Weißen drehte sich um, schoss und tötete jedes Mitglied der unbewaffneten Baker-Fancher Gruppe. Innerhalb von drei bis fünf Minuten war das Massaker an den Männern, Frauen und älteren Kindern vollbracht. Die einzigen Mitglieder der Gruppe, die noch übrig waren, waren jene Kinder, die als unter achtjährig betrachtet wurden. Es waren ungefähr 17 Personen.
Nach dem Massaker versuchten örtliche Führer die Tötungen als Akt der Indianer alleine darzustellen. Diese Bemühungen begannen fast unmittelbar, und zwar mit dem Bericht von John D. Lee an Brigham Young. Es dauerte jedoch nicht lange, bis Beschuldigungen aufzutauchen begannen, dass die Indianer nicht die einzigen gewesen seien, sondern dass auch Weiße beteiligt waren. Als Reaktion auf die Beschuldigungen, dass Weiße beteiligt waren, drängte Brigham Young Gouverneur Cumming die Angelegenheit vollständig zu untersuchen. Der Gouverneur vertrat jedoch den Standpunkt, dass, falls Weiße beteiligt waren, sie aufgrund der allgemeinen Amnestie, die der Gouverneur den Mormonen im Juni 1858 zugesichert hatte, begnadigt werden würden. Diese Amnestie war auf Geheiß von US Präsident James Buchanan gewährt worden und bezog sich auf alle feindseligen Taten gegen die Vereinigten Staaten durch jedermann im Laufe des Utah Krieges.
Die meisten Gelehrten sind sich darüber einig, dass es eine örtliche Vertuschung des Massakers gab. Uneinigkeit herrscht darüber, wie weit höhere Kirchenführer an irgendeiner Vertuschung beteiligt waren. Einige haben den Schluss gezogen, Brigham Young selbst wäre an einer Vertuschung beteiligt gewesen, doch andere meinen, die Beweise würden einen solchen Schluss nicht stützen. Es ist bekannt, dass Brigham Young zunächst in die ganzen Einzelheiten nicht eingeweiht war. Ihm wurde gesagt, nur Indianer wären beteiligt gewesen. Im April 1894 sagte Wilford Woodruff das Folgende bezüglich des Massakers und einer angeblichen Beteiligung von Brigham Young:
Die meisten Historiker folgten Juanita Brooks, die den Schluss zog, dass Brigham Young vorher nichts vom Massaker wusste und entsetzt war, als er davon erfuhr.[4]
Natürlich waren es nicht nur Indianer, die beteiligt waren. Die besten verfügbaren Beweise stützen zwei Ebenen der Vertuschung: 1. Unisono leugneten die Teilnehmer am Massaker jede Schuld und versuchten auch die Schuld ihren einstigen indianischen Verbündeten zuzuschieben. 2. Bemühungen von Mormonen, die am Massaker nicht beteiligt waren, beschuldigte Personen vor Gefangennahme oder Strafverfolgung abzuschirmen. Die letztere Handlungsweise entsprang normalerweise nicht einer Zustimmung zum Massaker und wurden normalerweise ohne eine Kenntnis der Schuld der geschützten Personen unternommen. Sie waren eher Ausdruck einer gemeinschaftlichen Solidarität gegenüber der Strafmacht einer oftmals feindseligen Regierung und eines tiefen Misstrauens gegenüber Vollmachtsträgern der USA und ihrer Bereitschaft oder Fähigkeit, mormonischen Angeklagten ein faires Gerichtsverfahren zu sichern. Der Vorwurf von tiefgreifenderen Vertuschungen, sei es von der Mormonenkirche als Institution, sei es bei ihren höchsten Führern, wird durch die Beweislage nicht gestützt.
Als mehr Informationen ans Licht kamen, wurden die Hauptbeteiligten schließlich aus der Kirche ausgeschlossen. Ein Beteiligter, John D. Lee wurde nach zwanzig Jahren und zwei Gerichtsverfahren von einem Bundesgericht des Mordes für schuldig befunden. Das erste Verfahren fand vor dem antimormonischen Richter Jacob Boreman im Jahr statt. Der Staatsanwalt war ein sogar noch schlimmerer Antimormone namens R. N. Baskin. Diesem Beamten gelang es nicht, das Verfahren gegen Lee ordentlich durchzuführen. Er brachte nur sehr wenige Beweise gegen ihn vor. Er konzentrierte sich statt dessen auf den Versuch, Brigham Youngs Komplizenschaft an dem Massaker zu beweisen. Dieses Verfahren endete ohne Urteil, da sich die Geschworenen nicht einigen konnten.
Das zweite Verfahren gegen Lee fand im folgenden Jahr statt. Staatsanwalt war der US Distriktsstaatsanwalt Sumner Howard und Boremann war wieder vorsitzender Richter. Diesmal wurde der Fall richtig verhandelt. Die Geschworenen hörten überwältigende Beweise gegen Lee, der entsprechend für sein Verbrechen schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt wurde. Am 23. März 1877 wurde Lee bei Mountain Meadows hingerichtet und in Panguitch, Utah begraben. Obwohl andere Mormonen sicherlich genau so schuldig wie Lee waren (er hat ja nicht alleine gehandelt), war er der einzige, der hingerichtet wurde.
Die lange Zeit zwischen dem Massaker und dem Verfahren gegen Lee ist einer der Faktoren, der nach Meinung einiger den Vorwurf einer institutionellen Vertuschung stützen. Die Gründe für diese lange Verzögerung sind jedoch ganz andere. Wie früher erwähnt glaubte Gouverneur Cumming, das Massaker falle unter die Utah-Amnestie. Daher sei eine Untersuchung sinnlos. Diese Meinung wurde von einer Anzahl von juristischen Autoritäten geteilt, einschließlich einiger, die für die Rechtspflege in Utah zuständig waren. Die Versuche einiger politisch gesinnter Richter wie John Cradlebaugh, die Untersuchung und Verfolgung von Verbrechen in Utah in einen Kreuzzug gegen die Mormonenkirche zu verwandeln, behinderte die Bemühungen um eine Strafverfolgung mehr als sie nützten.
Ein weiterer Vorwurf, der oft erhoben wird ist, dass Lee ein Bauernopfer gewesen wäre und dass irgend eine korrupte Vereinbarung zwischen Kirchenführern und Territorialbeamten bestanden hätte, sonst niemanden zu verfolgen. Die Aufzeichnungen stützen dies jedoch nicht. Nach der Hinrichtung von Lee wollten die Territorialbeamten die Untersuchungen fortsetzen und mehr von den Schuldigen vor Gericht bringen. Der offizielle Schriftwechsel zeigt, dass eine Belohnung für die Ergreifung von Isaac C. Haight, William Stewart und John Higbee ausgesetzt war und mindestens sieben Jahre lang blieb. Diese Personen waren verdächtig, an der Planung und/oder Ausführung des Massakers beteiligt gewesen zu sein. Lee wurde nicht als Bauernopfer verurteilt, sondern als ein wirklich Beteiligter, bewiesenermaßen der Hauptbeteiligte, am Massaker, der mehr als jeder andere getan hatte, dass es geschah und der eigenhändig fünf Personen getötet hatte.
Fast sofort als Berichte über das Massaker den Osten der Vereinigten Staaten erreichten, begannen Feinde der Kirche es für polemische Zwecke auszuschlachten. Der Inhalt der verschiedenen polemischen Berichte über das Massaker variiert beträchtlich, doch die Absicht ist immer und überall dieselbe: Das Massaker als Folge der Lehre, des Glaubens, der Praktiken oder Kultur der Mormonenkriche zu erklären und so ihren Anspruch auf Wahrheit zu zerstören.
Als B. H. Roberts in seiner Comprehensive History of the Church (Umfassende Geschichte der Kirche) über das Mountain Meadows Massaker schrieb, stellte er fest, dass er:
Die meisten Gelehrten und Historiker sind sofort bereit zuzugeben, dass wir nicht alle Fakten in Bezug auf das Massaker haben und wahrscheinlich nie haben werden. Das hält einige Leute nicht davon ab, die Kirche und ihre frühen Führer aus polemischen Gründen pauschal in Bezug auf die Verbrechen vom September 1857 anzuschwärzen.
Es hat viele Berichte über die Ereignisse im Zusammenhang mit Mountain Meadows gegeben und eine kleine Bibliothek könnte mit einschlägigem Material gefüllt werden. Die vielleicht bekanntesten von den neueren polemischen Berichten sind:
Gewisse Themen kommen in polemischen Berichten vom Mountain Meadows Massaker immer wieder zum Vorschein. Die Behauptung, es sei das schlimmste Massaker der amerikanischen Geschichte ist weit verbreitet. Ebenso sind die Beschuldigung direkter Komplizenschaft von Brigham Young und ein nachfolgendes institutionelles Vertuschen oder John D. Lee als Sündenbock sehr üblich. Vielleicht ist der folgende Kommentar in Bezug auf die Beteiligung von Brigham Young recht lehrreich:
Die Ereignisse während des Mountain Meadows Massakers sind, wie es richtig ist, als Schande im Bewusstsein geblieben. Es gibt keine Erklärung, die die Morde jener fünf Tage im September 1857 rechtfertigen könnte und wir können sie nicht völlig verstehen. In den Worten eines Gelehrten: „Die völlige, die absolute Wahrheit der Angelegenheit kann wahrscheinlich nie durch ein menschliches Wesen ergründet werden. Bemühungen, die Kräfte zu verstehen, die darin gipfelten und jene, die dadurch in Gang gesetzt wurden, sind alle bestenfalls sehr unzureichend.”[7]
Trotz dieser Tragödie wurden Anstrengungen unternommen, die Wunden zu heilen, die die Kollektivseele Amerikas vor 150 Jahren erhalten hat. In den 1980-er Jahren trafen sich Nachkommen der Opfer und der Täter und begannen die Kluft zu überbrücken und mit der Vergangenheit Frieden zu schließen. In einer Reihe von Treffen wurden Samen des Vertrauens gesät und ein hoffnungsvolles Gefühl des Einklangs begann zu erblühen. Am 15. September 1990 versammelten sich viele dieser Nachkommen, um bei Mountain Meadows ein Denkmal und einen Marker für jene, die gestorben sind, zu weihen. Das neue Denkmal ist eine Nachbildung der ursprünglichen Steinpyramide, die von einer Militärexpedition unter Major James H. Carleton ungefähr zwei Jahre nach dem Massaker errichtet worden war.
Das Mountain Meadwos Massaker ist eine abscheuliche Tat, die von lokalen Mormonenführern aus der Region Cedar City geplant und ausgeführt wurde. Was dazu führte, lässt sich nur teilweise verstehen, hat aber nichts mit den grundsätzlichen Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu tun.
Aufgrund der dokumentierten Beweislage und von Zeugenaussagen ist sicher, dass Brigham Young vom Massaker vorher nichts wusste und erst recht nicht an der Planung oder Ausführung beteiligt war. Auch dass er die Vertuschung befahl, die in der Region Cedar City zweifellos versucht wurde, muss zurückgewiesen werden, da er Gouverneur Cumming zu einer Untersuchung des Vorfalls aufforderte, die dieser aber aufgrund seiner Rechtsauffassung für sinnlos hielt.
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